20 Tage durch die Wüste

Von Kapstadt zu den Victoriafällen

Ich dachte mir, ich beginne die Bilderserie mit einem Sonnenaufgang, das wirkt wie Anfang. Dieses Bild habe ich im Sossusvlei aus dem fahrenden Auto heraus aufgenommen. Dafür ist die Qualität erstaunlich gut, finde ich.

Sonnenaufgang im Sossusvlei Namibia
Sonnenaufgang im Sossusvlei (Namibia)

Die Sonne hat mich in Südafrika gelegentlich irritiert, sie läuft verkehrt herum.

Kapstadt

Tafelberg von der Waterfront aus gesehen
Tafelberg von der Waterfront aus gesehen

Richtig Zeit, Kapstadt kennenzulernen, hatten wir auf der Reise nicht. Die Stadt gehört mit 4 Millionen Einwohnern eher zu den kleinen Großstädten (ähnlich Berlin). Das touristische Leben konzentriert sich hauptsächlich auf die Waterfront (das alte Hafenviertel) und den Tafelberg. Vom Tafelberg kommen immer Wolken, die sich dann auflösen. Mir ist nicht bekannt, ob je ein Mensch den Tafelberg ohne Wolken gesehen hat.

Kapstadt von oben
Kapstadt von oben (rechts, wo die Sonne steht, ist Nordwesten, der Atlantik ist im Westen)

Kapstadt ist sehr günstig gelegen. Die Berge sind schön und vom Atlantik weht meist ein frischer Wind, der die Luft sehr angenehm macht (es sei denn, der Wind weht zu stark).

Weiter im Süden sind die Berge am Atlantik noch rauer
Weiter im Süden sind die Berge am Atlantik noch rauer

Der Atlantik ist hier aufgrund südlicher Strömungen ungewöhnlich kalt, auch im Sommer steigt die Temperatur selten über 16°C. Vielleicht ist deshalb das Wetter so rau. Andererseits litt Kapstadt 2017 unter so extremen Wassermangel, dass das Wasser rationiert wurde.

Ein naher Verwandter der Elefanten Klippschliefer auf dem Tafelberg
Ein naher Verwandter der Elefanten - Klippschliefer auf dem Tafelberg

Wer Kapstadt besucht, besucht auch den Tafelberg (sofern der Wind das zulässt). Direkt an der Bergstation der Seilbahn ist viel los. Aber wenn man bereit ist, eine halbe Stunde zu laufen, hat man den Berg schon fast für sich alleine. Die Natur ist beeindruckend und die Aussicht sehr gut.

Kayamandi

Kinder im Township Kayamandi
Kinder im Township Kayamandi

"People built homes the way bought eggs: a little at a time. Every family in the township was allocated a piece of land by the government. You'd first build a shanty on your plot, a makeshift structure of plywood and corrugated iron. Over time, you'd save up money and build a brick wall. One wall. Then you'd save up and build another wall. Then later, a third wall and eventually a fourth. Now you had a room, one room for everyone in your family to sleep, eat, do everything. Then you'd save up for a roof. Then windows. Then you'd plaster the thing. Then your daughter would start a family. There was nowhere for them to got, so they'd move in with you. You'd add another corrugated-iron structure onto your brick room and slowly, over years, turn that into a proper room for them as well. Now your house had two rooms. Then three. Maybe four. Slowly, over generations, you'd keep trying to get to the point where you had a home."

Trevor Noah, Born a Crime - Stories from a South African Childhood

Zwischen Misstrauen und Neugier - Frauen in Kayamandi
Zwischen Misstrauen und Neugier - Frauen in Kayamandi

Townships sind menschliche Siedlungen. Man kann sie besuchen und kommt heil wieder raus. Ich weiß nicht, ob das für alle gilt. Soweto würde ich wahrscheinlich ohne einheimische Begleitung nicht besuchen. Touristen sind Eindringlinge und Geldbringer zugleich. Das spürt man auch. Die Gefühle sind wahrscheinlich bei beiden gemischt.

Einwohner in Kayamandi
Einwohner in Kayamandi

Ich möchte nicht behaupten, dass wir von den Einwohnern in Kayamandi herzlich empfangen wurden. Sie leben ganz offensichtlich nicht vom Tourismus. Andererseits war aber keine offene Feindschaft zu spüren. Und das obwohl man einer Gruppe von Touristen wohl kaum Zurückhaltung unterstellen sollte.

Kind in Kayamandi
Kind in Kayamandi

Die Leute dort sind nicht schwarz, eher braun. Der Grund ist, dass hier viele, Buschmänner, Inder und noch mehr, ihre Gene hinterlassen haben. Apartheid ist eine seltsame Sache. Sie wirkt irgendwie bescheuert, aber wurde über Jahre von offensichtlich intelligenten Menschen sehr ernsthaft betrieben. Es ist schwer, sich von außen ein informiertes Urteil zu bilden.

Alles wird verwertet kaputtes Auto im Township
Alles wird verwertet

Cederberge

Auf dem Weg zu den Cederbergen haben wir den West-Coast-Nationalpark passiert. Besonders im Frühling (August/September), wenn dort alle Blumen blühen, ist er eine große Attraktion. Wir waren etwas zu spät, aber schön war die Landschaft trotzdem.

Hoch über dem Atlantik West-Coast-Nationalpark
Hoch über dem Atlantik - West-Coast-Nationalpark

Richtig spannend wurde es dann wieder in den Zederbergen. Davor haben wir noch eine Nacht in Clanwilliam verbracht, der Ort, aus dem der allseits beliebte Rooibos-Tee stammt.

In den Zederbergen
In den Zederbergen

Afrikanische Gebirge, jedenfalls die, die ich kenne, sind nicht so krass wie die Alpen. Die Steine sind eher rundgelutscht, die Formen sanft. Wer spektakuläre Felsen sucht, wird wahrscheinlich enttäuscht.

Felszeichnungen der San in den Zederbergen
Felszeichnungen der San in den Zederbergen

Dafür fanden wir überraschende Details - Felszeichnungen. Sie werden den San zugeordnet und sollen bis zu 70.000 Jahre alt sein. Damit sind sie die ältesten bekannten menschlichen Zeichnungen. Ich finde sie erstaunlich kraftvoll und naturalistisch. Man spürt die Nähe des Künstlers zu seinem Objekt. Das unterscheidet die Bilder angenehm von manch moderner Kunst, wo man oft das Gefühl hat, mein Enkelkind kann's besser.

Vielfältige Tierwelt in den Zederbergen
Vielfältige Tierwelt in den Zederbergen

Auch überraschend in den Zederbergen sind die vielen kleinen Tiere, die man findet.

Fish-River-Canyon

Nachdem wir die Zederberge besucht hatten, haben wir noch ein Nacht in dem kleinen Ort Springbok, wo es übrigens ein sehr gutes Steakrestaurant gibt, verbracht. Danach fuhren wir über den Oranje nach Namibia.

Der Fish-River-Canyon ist der zweitgrößte Canyon der Erde
Der Fish-River-Canyon ist der zweitgrößte Canyon der Erde

Unser erstes Ziel in Namibia war der Fish-River-Canyon. Das ist der zweitgrößte Canyon der Welt und absolut überwältigend. Wer möchte, kann die 140 km im Canyon in 5 Tagen erwandern, was in der Hitze aber sehr anstrengend ist. Wir hatten nicht so viel Zeit, weshalb der Blick von oben reichen musste.

Typische Straße in Namibia, im Hintergrund das Namib Naukluft Gebirge
Typische Straße in Namibia, im Hintergrund das Namib Naukluft Gebirge

Der Namib ist hier im Süden eine Halbwüste, das heißt es wachsen noch ein paar Pflanzen und es gibt Viehzucht. Die Farmen, die wir durchquert haben, waren nicht selten 50.000 ha groß. Alle Farmen sind eingezäunt. Die Straßen sind in Namibia meist ungepflastert, werden aber in Ordnung gehalten. Nur sind sie sehr staubig, so dass man sich fragt, warum es in Deutschland eine Feinstaubdebatte gibt.

Sossusvlei

Sonnenaufgang am Sossusvlei
Sonnenaufgang am Sossusvlei

Wer in das Sossusvlei möchte, muss ein Tor passieren. Das Tor öffnet mit Sonnenaufgang. Da in Afrika der Sonnenaufgang jedoch nicht durch die Astronomie, sondern durch die Wächter am Tor definiert wird, hatte ich vorher noch Zeit, dieses Foto zu machen.

Düne 45 (Sossusvlei)
Düne 45 (Sossusvlei)

Die Düne 45 liegt am Kilometer 45 der Straße zwischen Sesriem und dem Sossusvlei. Der rote Sand wird vom Oranje herübergeweht und ist eisenhaltig. Wüsten sind meist langweilig, im Original ganz anders, als man sie sich in der Fantasie ausgemalt hat. Das Sossusvlei lässt jedoch keine Wünsche offen

Durch den weichen Sand
Durch den weichen Sand

und der weiche Sand verleitet selbst ansonsten seriöse Menschen dazu sich auszutoben.

Der absolute Höhepunkt des Tages war jedoch das Dead Vlei. Bis vor 500 Jahren wurde das Dead Vlei durch den Tsauchab bewässert. Dann schnitt jedoch eine Düne den Fluss ab und die Bäume vertrockneten.

Abgestorbene Bäume im Dead Vlei
Abgestorbene Bäume im Dead Vlei

Etosha-Nationalpark

In Windhoek habe ich keine besonderen Fotos gemacht, die Stadt ist auch nicht besonders schön. Deshalb mache ich hier einen kleinen Sprung und weiter geht es im Etosha-Nationalpark.

Südlicher Gelbschnabeltoko
Südlicher Gelbschnabeltoko

Die Tiere dort sind an die eckigen Kästen (Autos) gewöhnt, so dass man relativ dich an sie ran kommt. So konnte ich, obwohl ich nur 200 mm Brennweite hatte, einige schöne Bilder machen. Der Gelbschnabeltoko gehört zu den Nashornvögeln.

Unter Beobachtung - ein Löwenpärchen
Unter Beobachtung - ein Löwenpärchen

Der Löwe hat die Leute, die ihn beobachtet haben, wahrgenommen, aber letztlich waren sie ihm wohl ziemlich egal. Jedenfalls haben sich die beiden bei ihrem Treiben nicht stören lassen.

Zebra im Etosha-Nationalpark
Zebra im Etosha-Nationalpark

Man sieht überall Tiere, aber die meisten Tiere sammeln sich an den wenigen Wasserlöchern.

Trinkende Giraffe
Trinkende Giraffe

Sehr interessant ist es, einer Giraffe beim Trinken zuzusehen. Sie kommt nur schwer runter zum Wasser und muss dabei eine Haltung einnehmen, die es ihr unmöglich macht, schnell zu fliehen. Deshalb sichert sie sich, bevor sie trinkt sorgfältig nach allen Seiten ab.

Kwando und Victoriafälle

Kinder in einem afrikanischen Dorf
Kinder in einem afrikanischen Dorf

Auf dem Weg nach Norden sind wir nun in dichter besiedelte Gebiete gekommen. Anstelle der riesigen Farmen, die Namibias Süden prägen, beherrschen Dörfer die Landschaft. Die Bewohner sind sehr freundlich und zutraulich und lassen sich, wie Sie sehen, gerne fotografieren. Auch wenn die Leute noch in Stroh gedeckten Hütten wohnen, haben sie die bitterste Armut offensichtlich hinter sich gelassen.

Wirklich überrascht war ich im Bwabwata-Nationalpark. Er liegt im Caprivi-Zipfel an der Grenze zu Botswana. Aber sehen Sie selbst!

Elefanten am Kwando im Bwabwata-Nationalpark
Elefanten am Kwando im Bwabwata-Nationalpark

Das Gebiet des Bwabwata-Nationalparks und des anschließenden Chobe-Nationalparks in Botswana gilt als die Gegend mit den meisten Elefanten in der Welt. Wir wurden Zeugen einer abendlichen Elefantentränke. Fast eine Stunde lang kamen immer wieder neue Gruppen von Elefanten, um zu trinken. Unsere einheimischen Begleiter haben 600 Elefanten gezählt, wir waren viel zu überwältigt, um zu zählen.

Afrika - Kontinent der Lebensfreude
Afrika - Kontinent der Lebensfreude

Wie sagte einst die berühmteste Schwäbin, Mariae Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis: "Die Neger schnagseln halt so gern". Na das ist reichlich untertrieben. Nicht nur die Menschen in Afrika, auch die Tiere, genießen offensichtlich ganz unkompliziert das Leben. Es ist so einfach, andern eine Freude zu machen.

Kaffernhornraben im Chobe-Nationalpark
Kaffernhornraben im Chobe-Nationalpark

Auf unserem weiteren Weg zum Chobe-Nationalparks begegneten wir einer Gruppe Kaffernhornraben. Die Vögel leben am Boden und ernähren sich von Insekten und kleinen Reptilien. In einigen Gegenden gelten sie als heilige Vögel, da sie Schlangen und Heuschrecken fressen und werden als nützliche Tiere angesehen. Ihr Bestand ist trotzdem rückläufig, weil durch den Siedlungsdruck der Menschen ihr Lebensraum kleiner wird.

Verletzte Löwin im Chobe-Nationalpark
Verletzte Löwin im Chobe-Nationalpark

Man kommt in Botswana den Tieren sehr nah. Diese verletzte Löwin war nur wenige Meter von unserem offenen Wagen entfernt.

Elefant mit weißem Vogel
Elefant mit weißem Vogel

Dieser junge Elefantenbulle trottete einsam durch die Savanne. Ich fand es beeindruckend, wie gelassen der weiße Vogel den großen Elefant auf sich zukommen ließ. Afrikanische Elefanten sind größer als ihre asiatischen Verwandten, sie haben oft eine Schulterhöhe von mehr als 3 m. Die Kugeln linkt im Bild sind übrigens Elefantenkot.

Affen beim Lausen
Affen beim Lausen

Affen sind sehr soziale Tiere wie wir Menschen, bis hin zur Eifersucht. Sollten Sie mit der Redewendung, mich laust der Affe, noch nichts anfangen können, wird dieses Bild alle ihre Fragen beantworten.

Den späteren Nachmittag haben wir dann auf dem Kwando verbracht. Wenn jemand das Maul aufreißt, obwohl ihm das Wasser bis zum Hals steht, wird er bei uns in Dresden gewöhnlich Wessi genannt. Hier handelt es sich jedoch um eine Gruppe Flusspferde.

Flusspferde im Kwando
Flusspferde im Kwando

Ganz zum Schluss, in Simbabwe, haben wir uns noch einen kleinen Luxus geleistet und sind mit dem Hubschrauber über die Victoriafälle geflogen. Im Oktober haben die Fälle wenig Wasser. Das macht sie weniger beeindruckend, obwohl 100 m Höhe nicht schlecht sind, aber man sieht sie wenigstens. Zur Regenzeit soll das ein einziges Nebelmeer sein.

Victoriafälle von oben, Fallhöhe des Wassers ca. 100 m
Victoriafälle von oben, Fallhöhe des Wassers ca. 100 m

In Simbabwe musste ich ein Apotheke aufsuchen. Wahrscheinlich war das sterile Trinkwasser in einer Lodge doch nicht so gut, wie uns gesagt wurde. Ich brauchte Loperamid. Für 3 $ bekam ich unkompliziert 20 Kapseln (10 habe ich verschenkt und 4 habe ich heute noch). Wenn ich mich an meinen letzten Apothekenbesuch in Dresden erinnere, bekomme ich Sehnsucht nach Afrika.